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Petrolettes – ein persönlicher Rückblick


Am vergangenen Sonntagabend kam ich verschwitzt, kaputt und glücklich nach Hause. Der Geruch von Benzin klebte mir noch immer in der Nase und meine Mascara hing auf Halbmast. Mein Freund öffnete mir die Tür und fragte mich gespannt:„und, wie wars?“. Ich schmiss erstmal Rucksack, Zelt und Isomatte in die Ecke und antworte mit einem breiten Grinsen:„cool“. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich keine Worte für das Wochenende bei Petrolettes fand. Weil ich einfach überwältigt war und es immer noch bin: von der Offenheit, Herzlichkeit und Freiheit, die mir die 180 Bikerinnen aus aller Welt gezeigt haben. Es klingt cheesy, aber man muss einfach dabei gewesen sein.

unite, rally, race, party, dance, camp, repeat

Trotzdem werde ich jetzt versuchen, alles nochmal der Reihe nach in einem ganz persönlichen Rückblick zusammenzufassen: der Motorradclub The Curves rund um Cäthe Pfläging und Irene Kotnik rief zum ersten Motorradfestival für Frauen in Europa, „Petrolettes“ in Berlin. Ich hatte schon vor einigen Monaten davon gehört und fand die ganze Idee & Vision von The Curves auch ziemlich aufregend, doch war ich mir nicht sicher ob ich fahren sollte, zum einen wegen meines Oberarmbruchs und zum zweiten weil ich ja noch gar kein Moped besitze und ein totaler Rookie bin. Doch Tine von Bikers & Babes hatte bereits eine Truppe Hamburger Ladies zusammengetrommelt und die Fahrt nach Berlin geplant und organisiert und so kam es, dass ich spontan in einem Van landete und den Mädels nach Berlin folgte.

Zuerst hatte ich etwas Bammel davor, mich ganz allein als Anfängerin unter gestandene Bikerinnen zu mischen – aber diese Angst war völlig unberechtigt. Im Gegenteil – ich wurde mit offenen Armen empfangen und sofort in die Gruppe integriert. Einige der Mädels fuhren tatsächlich selbst erst seit einem Monat Motorrad, andere hingegen schon knapp 20 Jahre. So habe ich an diesem Wochenende gefühlt 100 Dinge über Motorräder, das Fahren in einer Gruppe, Helme, Rückspiegel usw. gelernt – Dinge, die mir bei meiner Fahrausbildung ungemein helfen werden. Es mag banal klingen, aber für mich sind diese Erfahrungen und Tips aus erster Hand unbezahlbar.

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Haste mal ’nen Hering?

Nach diversen Stops an Tanken und ostdeutschen Currywurst-Buden, trudelten wir gegen 18:00 auf dem Petrolettes Festivalgelände in Berlin-Spandau ein. Von The Curves wurden wir herzlich begrüßt und fix eingewiesen – die Location war viel kleiner und familiärer als ich dachte. Mit vereinten Kräften schlugen wir unsere Zelte auf und deponierten erstmal einen Kasten Astra im Wasser, ein Stückchen Hamburg muss schließlich sein. Ich hatte Glück und von meinem Zelt aus einen direkten Blick auf die Havel inklusive wunderschönem Sonnenuntergang – ein kleiner Camping Luxus!

Ride motorcycles, have fun

Alter, Staatsangehörigkeit oder Religion spielten an diesem Wochenende keine Rolle. Durch die Abwesenheit von auf Motorradfestivals sonst dominierenden Männern, war die Atmosphäre von Anfang an etwas ganz Besonderes – freundschaftlich, offen, ausgelassen und frei. Keiner musste sich verstellen. Mit großem Hallo quatschte man sich einfach gegenseitig an – die gemeinsame Leidenschaft fürs Motorradfahren diente als Gesprächseinstieg. Auf diese Art und Weise lernte ich im Handumdrehen sehr unterschiedliche, interessante Frauen kennen, die mich sofort in ihre Stadt oder auf eine gemeinsame Ausfahrt einluden.

Bound to ramble, bound to roll

Direkt am ersten Abend wurde auch schon ein fettes Programm aufgefahren: im Party-Tent gab es eine Mischung aus Country, Blues und Garage von Trixie Trainwreck No Man Band auf die Ohren, Kurzfilme vom Motorcycle Film Festival NY und eine Feuershow von Valentina Demonia. Danach ließen wir beim ein oder anderen Bierchen den Abend an der Havel bei Lagerfeuergesprächen ausklingen. Der Tag war sehr ereignisreich und auch anstrengend vor allem für die Mädels, die aus allen Herren Länder mit dem Moped angereist waren. So krabbelten wir in unsere Zelte und lauschten noch etwas der Rock’n’Roll Disco mit DJane Lula Rose, die im Party-Zelt noch in vollem Gange war.

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Petrolettes Ride Out & Race

Ein neuer Morgen, neue Abenteuer. Am Samstag riefen die Curves beim ausgedehnten Katerfrühstück alle Ladies zum gemeinsamen Ride Out auf. Mädels wie ich, die kein Moped dabei hatten oder (noch) nicht selbst fahren durften, wurden kurzerhand als Sozia mitgenommen. Ein Zweithelm und ein paar Handschuhe waren schnell organisiert und ich hatte die Ehre, bei Anika auf ihrer wunderschönen Honda mitzufahren. Mit Dauergrinsen im Gesicht machten wir uns auf die Socken – durch wunderschöne Dörfer, Waldstücke und Wiesen führten The Curves die wilde Truppe wie Schäfchen auf eine unbefahrene Staße außerhalb Berlins, wo einige Mädels gegeneinander Sprintrennen fuhren und wir feuerten sie kräftig dabei an. Adrenalin pur!

 

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Shop Til Ya Drop

Am späten Nachmittag kamen wir zurück aufs Festivalgelände, wo dann erstmal Shopping Time angesagt war. An Ständen von The Curves, Bikers & Babes, Rengas Motowear, Handmade Seats Shop, Leevenstein Leather Goods und Dos Santos Exclusive Leather Design konnte Frau sich mit sämtlichen Moto Must-haves eindecken. Das Highlight waren aber sicherlich die Lose für das große Petrolettes Raffle, das später am Abend noch folgen sollte.

Bourbon & Konfetti

Es ist eine aufregende Zeit – alles ist im Bewegung und alles ist möglich. Neue Motorradklubs werden von Frauen gegründet und mehr Frauen denn je machen den Motorradführerschein. Zuletzt habe ich mich als Teenager so aufgeregt gefühlt. Am frühen Abend saß ich mit den Mädels am Biertisch führte konspirative Gespräche. Eigentlich müssten wir uns doch mit all unseren verschiedenen Fähigkeiten, Kenntnissen und Talenten zusammentun und gemeinsam etwas starten. Neue Ideen wurden geboren und Pläne geschmiedet. Girlpower!

Unsere Gespräche wurden vom großen Petrolettes Raffle unterbrochen, an dem ich teilgenommen hatte – ich war gespannt wie ein Flitzebogen und wurde später am Abend tatsächlich noch glückliche Besitzerin eines supercoolen Bubble Visors. An dieser Stelle nochmal DANKE an The Curves für den wunderbaren Gewinn! Auch die Mädels, die besonders schöne Custom Bikes hatten, wurden mit Eintrittskarten fürs Pure & Crafted Festival belohnt.

Einige Bands spielten an diesem Abend auch noch, doch besonders stach die Girlband GURR heraus – garage pop with a punk in the trunk. Eine Band, deren Musik ich weiterhin auf jeden Fall hören werde. Bei super gutem Wetter zündeten wir Wunderkerzen und tanzten bis spät in die Nacht zu Rock’n’Roll von DJ Lady Nico.

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Bikinis & Motorräder

Am Sonntagmorgen wachten wir sehr früh auf, denn wir hatten noch einigen Kram zusammenzupacken. Ein paar Mädels wagten noch einmal den Sprung in die Havel, die anderen wanderten zu McDonalds, um sich einen Kaffee zu besorgen. Mein verkatertes ich versuchte sich mit dem Gedanken anzufreunden, schon bald aufzubrechen. So richtig wollte das in meinem Gehirn nicht ankommen.

Wir drückten noch einmal Irene und Cäthe und einige andere lieb gewonnene Mädels, wie z.B. die Lipstick & Gasoline Gang und verabschiedeten uns Richtung Hamburg. Die Fahrt ging zurück über die B5 – 6 Stunden fuhren die wunderbare Ewwa und ich unseren Mädels im Van hinterher. Zwischendurch gab es immer mal wieder Probleme mit dem Wetter (ein plötzlicher Schauer überraschte die Mädels), mit Tines 30 Jahre alter Yamaha XS oder jemand musste pinkeln, so dass sich die Fahrt am Ende etwas zog.

Trotz durchnächsster Unterwäsche blieben die Mädels tapfer – meine volle Bewunderung dafür. Je näher wir der Innenstadt kamen, desto mehr Ladies spalteten sich von der Gruppe ab und traten ihren Heimweg an. Wir winkten und seufzten viel, weil es schade um jede einzelne war, der wir an diesem Abend Tschüss sagen mussten. Endlich auf der Schanze angekommen, wurden wir bei Bikers & Babes vom besten Empfangskomitee begrüßt und mit einem Kaffee gestärkt, bevor wir alle endgültig nach Hause wankten.

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Fuck it, let’s ride

Obwohl das Festival schon eine Woche her ist, finde ich immer noch Konfetti in meinem BH und auf dem Boden meines Schlafzimmers. Viel zu schnell ging dieses wundervolle Wochenende mit meinen neu gewonnen Freundinnen zu Ende – für einen kurzen Moment fühlte sich Petrolettes wie eine große, verrückte Familie mit unterschiedlichsten Mitgliedern aus allen möglichen Ländern an und das war wirklich magisch. Ein neues Netzwerk ist entstanden, auf das ich in naher Zukunft sicherlich zurückgreifen werde, sei es für einen neuen Beitrag für The Moto Babe oder den nächsten Roadtrip.

Ein großes DANKESCHÖN geht raus an The Curves für diese logistische Meisterleistung: einfach so ein Festival aus dem Boden zu stampfen, wenn man nicht mal weiß, wie viele Leute überhaupt kommen. Danke für diesen Mut und großen Respekt, dass ihr so viel gegeben habt, um uns Frauen eine so schöne Zeit zu ermöglichen. Danke an Tine fürs Mitschleppen, Ewwa fürs Fahren, allen Mädels, die dabei waren für die Kameradschaft und Hilfe und die lustigen Gespräche. Wir sehen uns bald wieder, abends an einem Lagerfeuer mit einer Flasche Bulleit Bourbon in der Hand.

Weitere Impressionen findet ihr auf der The Moto Babe Facebook Seite, hierhier, hier und hier.

Warst du auch bei Petrolettes und hast Feedback? Wie hat dir das Festival gefallen? Ich freue mich über deinen Kommentar.

All pictures (c) by Beate Dodeck Fotografie | Facebook | Instagram – THANK YOU!

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4 Comments

  • Reply
    Alexander Hauser
    Montag, der 8. August 2016 at 13:37

    Schöne Zusammenfassung, freut mich, daß Ihr Spaß hattet!

    • Reply
      themotobabe.com
      Montag, der 8. August 2016 at 13:58

      Danke fürs Lesen, Alex! Es war ein super Wochenende.

  • Reply
    Dinah Gasolina
    Montag, der 8. August 2016 at 14:52

    Herrlich – schöner hätte ich´s auch nicht ausdrücken können 😉
    Ich freu mich schon sooo auf Petrolettes 2017 – und dann bist Du mit Deinem eigenen Bike dabei <3

    • Reply
      themotobabe.com
      Montag, der 8. August 2016 at 16:09

      Danke für deinen Kommentar, Dinah! Means a lot coming from you <3

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