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Bikers & Babes Open Garage: Schrauberkurs für Basics

Schraubertreffen, Wrench Clubs und Open Garages sind eine feine Sache und wir finden es großartig, dass sich vor allem unter weiblichen Bikerinnen in Deutschland etwas auf diesem Gebiet tut. Frauen finden sich abends in Grüppchen zusammen, aber nicht um klischeehaft bei einem Prosecco und Sex and the City in der Glotze über ihren Ex zu lästern, sondern aus einem anderen Grund: bei einem Bierchen sitzen sie in einer Garage, meist versammelt um eine Mechaniker*in, die den anderen Mädels direkt am Bike vormacht, wie sie es selbst warten können. Es darf geschnackt, mit angepackt und gefragt werden, ohne dass eine schief angeguckt wird. Es wollen ja schließlich alle etwas dazu lernen, also lieber einmal mehr nachgefragt.

#womenwhowrench

Unsere Kumpelinen von The Curves haben es mit ihrer Veranstaltungsreihe PonyWrench in Berlin vorgemacht: es gibt mittlerweile genug starke Frauen, die sich für’s Schrauben interessieren und es selbst lernen möchten, mit Spaß und ganz ohne Mansplaining. Auch in Kopenhagen machen sich die Powerfrauen von The Iron Birds und The Throttledolls in regelmäßigen Abständen in ihren Garagen gemeinsam die Hände schmutzig und sie lieben es!

Wir Hamburger Deerns haben ab sofort die Möglichkeit 6x im Jahr dem erfahrenen Schrauber und Tausendsassa Timo Hartmann bei einem Käffchen in seiner inspirierenden Garage mitten in Hamburg Winterhude, zu lauschen. Ich war bei der ersten Bikers & Babes Open Garage: Workshop für Basics vergangenen Samstag dabei.

 

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Aber jetzt von Anfang an: was für eine geile Garage! Ich bin die erste, die an diesem kalten, aber sonnigen Samstagnachmittag in Timos Garage eintrudelt. Nach herzlicher Begrüßung packe ich gleich meine Kamera aus und kann es gar nicht fassen, wie viele Projekte Timo und sein Kumpel Dorschi, mit dem er sich die Garage teilt, dort rumstehen haben. Von der BMW und Yamaha bis zur Harley ist alles vorhanden. Die nächsten paar Teilnehmer erscheinen – wir sind ein sehr nettes kleines Grüppchen, entspannte und sympathische Runde. Auch ein Mann hat sich an diesem Nachmittag zu uns verirrt, aber das ist total OK und auch gern gesehen in der Bikers & Babes Open Garage. Wir trinken Kaffee, versammeln uns zwischen Tines Chopper und Heizstrahlern, manche sitzen auf Bierkästen und Timo beginnt zu erzählen.

Wir lernen, wie man die Kette und den Belt spannt und wie man Zündkerzen austauscht. Wir dürfen Zwischenfragen stellen ohne uns dumm fühlen zu müssen und Timo punktet mit fundiertem Wissen. „Verdammt, hat der das schon mal gemacht?“, denke ich, da er extrem souverän erscheint. Er lässt uns auch selbst mal anpacken und Teilnehmerin Claudia bemerkt, dass sich das mit den Zündkerzen gar nicht mal so stark von ihrem Rasenmäher zuhause unterscheidet. Nach knapp 2 Stunden kommen wir zum Schluss. Es gibt noch ’ne Menge nützlicher Tips zum Reifendruck und Mopedputz auf den Weg und dann verabschiede ich mich mit einem Kopf voll neuem Wissen von Timo und seiner Frau Tine. Ich habe richtig Lust auf mehr bekommen und freue mich umso doller auf meinen bald anstehenden Motorradkauf.

 

Tine und Werkstatt Wauwau Button

 

Zum Abschluss durfte ich Timo noch mit ein paar Hintergrundfragen zu seiner Schrauberkarriere und zur Entstehung der Bikers & Babes Open Garage löchern:

Wie lange schraubst du schon und wie lange fährst du schon Motorrad? Ich meine, ich hätte die Zahlen 10 und 20 Jahre aufgeschnappt.

Ich fahre seit 30 Jahren Krad/Motorrad und habe nur für ein paar Jahre Pause gemacht, als ich in München und Münster gelebt habe. Meine Motorräder habe ich schon immer selbst gewartet. Vor 10 Jahren habe ich allerdings meinen ersten Custom-Umbau gemacht. Ich habe eine Harley FXSTC mit Unfallschaden aus den Staaten gekauft und komplett umgebaut, daraus entstand innerhalb von 2 Jahren der „Cleaner“ wie ich ihn heute immer noch fahre.

Kannst du mir mehr über deine Projekte und Schätze erzählen, die gerade in deiner Garage rumstehen, z.B. den „Silver Surfer“?

Aktuell baue ich am „Silver Surfer“, der auf einer Yamaha XS650 basiert aber an diesem Moped wird bis auf den Rahmen nichts original bleiben. Der Tank und die Höckersitzbank sind Maßanfertigungen aus Aluminium und der Motor wird später 880ccm oder vielleicht sogar 1000ccm haben. Der Look wird wie aus den 80ern aber mit Digitaltechnik und Elektronik von Heute. Der Silver Surfer wird ein gut fahrbares Showbike mit offizieller Zulassung für den Strassenverkehr. Parallel baue ich auch an einem Starrrahmen Chopper auch auf Basis einer XS650, extrem Old School mit Sissybar und King & Queen Sitz.

Letzten Winter habe ich mit meinem Garagenmitbenutzer Dorschi für ihn eine Yamaha XJ650 zum Cafe Racer umgebaut die noch auf ihren ersten Einsatz wartet.

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Wer von euch hatte die Idee eine Open Garage ins Leben zu rufen? Hat euch irgendwas besonderes den Anstoß oder die Inspiration dazu gegeben oder war das schon ein lang gehegter Traum?

Tine und ich haben ja schon immer viel zusammen am Samstag gearbeitet und ihre XS war immer Thema (die habe ich ja auch mit Tine gebaut) da kamen immer wieder Männer und Frauen, die gesagt haben, dass sie so etwas auch so gerne können wollten und so kam es, dass mir immer mal wieder jemand über die Schulter schauen wollte. Letztendlich hatte Tine dann die Idee eine Gruppenveranstaltung daraus zum machen… so wurde die Open Garage geboren.

Wie sind deine Pläne und Ziele für die Zukunft? Willst du weitere Veranstaltungen/Kurse geben oder erst mal schauen, wie es mit der Open Garage weiter geht?

Meine eigene kleine Custom-Garage zu haben war auch schon sehr, sehr lange mein Wunsch und wenn unser Laden (Bikers & Babes) so gut läuft, dass er uns beide vielleicht mal ernähren kann, dann werde ich es auch mal versuchen, das hauptberuflich zu machen.

Wie oft soll die Open Garage zukünftig stattfinden?

Die Open Garage ist aktuell 6x im Jahr geplant, der nächste Termin wird Anfang Februar sein.

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Ich hatte sogar den Eindruck, dass du sowas schon öfters gemacht hast, weil du so gut erklären kannst. Das ist meiner Meinung nach nicht selbstverständlich. Woher kommt das?

Ich bin auf dem Trainingsgebiet nicht ganz unerfahren, denn ich habe ich meiner Zeit beim Mobilfunkvertrieb schon 10 Jahre Verkaufs- und Produktschulungen gegeben.

Die Open Garage ist primär an Frauen gerichtet – warum meinst du, ist so eine Veranstaltung speziell für Frauen so wichtig?

In der Open Garage sind sowohl Frauen als auch Männer gern gesehen. Die Anzahl der Moped fahrenden Frauen nimmt sehr stark zu und die Mädels wollen gerne ihre Bikes selber warten und reparieren können. Wir wollen das unterstützen. Leider werden Frauen noch zu oft belächelt und dagegen gehen wir vor, indem wir gezielt Frauen die Open Garage näher bringen.

Vielen Dank für das Interview und bis zur nächsten Open Garage! Ich freue mich schon.

 

Verpasst keine Termine und Updates und liked die Open Garage bei Facebook.

All photos (c) by Julia Walch, edited by Christopher Krenz, thank you.

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